Nachruf auf Ulrich Zimmermann

Am: 15.Januar

Der Lionsclub Frankfurt (Oder) e. V. trauert mit sein langjähriges Mitglied Ulrich Zimmermann. Er verstarb am 15. Januar 2017 im Alter von 80 Jahren in Buckow (Märkische Schweiz).

Lionsfreund Heinz Kannenberg schrieb folgenden Nachruf in der Märkischen Oderzeitung.

 

“Uzi” liebte die Märkische Schweiz

Frankfurt (MOZ) Der Publizist Ulrich Zimmermann war viele Jahre in den Chefredaktionen verschiedener Zeitungen (Welt, Bild am Sonntag, Welt am Sonntag) tätig und in den 1980er Jahren Chefredakteur der “Passauer Neue Presse”. Vor allem aber hinterlässt er Spuren in Ostbrandenburg. Es sind weniger veröffentlichte Texte, sondern vor allem ist es die Geschichte einer Rückkehr in seine erste Heimat und seines unermüdlichen Mitwirkens in einer nahezu unsichtbaren zweiten Reihe bei der Gestaltung der deutschen Einheit in der Provinz. Provinz war für ihn nie ein Schimpfwort, sondern die Heimat des Alltagerlebens. Ulrich Zimmermann war begeistert von seiner Heimat Märkische Schweiz. So ließ er über Buckow und die Region einen 65-Minuten-Film produzieren. Damit die Schönheit der märkischen Perle auch transportiert wird, lud er Berliner und Brandenburger Lions-Clubs 2004 zu einer Film-Matinee nach Buckow ein.

Ulrich Zimmermann wurde in Berlin-Wilmersdorf geboren. Vor den Bomben im Zweiten Weltkrieg flohen seine Eltern mit ihm nach Buckow. In seiner Autobiografie erinnert er sich daran, dass er als kleiner Junge glaubte, die Bomben kämen immer näher an sein Bett heran. In der Märkischen Schweiz lebten die Großeltern. Dort wurde er auch eingeschult. 1945 verließ er Buckow gen Bayern. Durch die Kriegswirren fand sich dort die Familie wieder zusammen. Ulrich Zimmermanns berufliche Karriere verlief später in Westdeutschland. Er wurde Journalist. Als Chefredakteur der “Passauer Neue Presse”war er dem CSU-Chef Franz-Josef Strauß so nahe wie wenige Journalisten. Jahre später schrieb Ulrich Zimmermann auch die vielbeachtete Strauß-Biografie “ Unvergessen – Franz Josef Strauß, das war sein Leben”. Ulrich Zimmermann war und blieb immer ein liberaler und unabhängiger Publizist.

Nach der Wende führte der Weg ihn bald wieder in den Osten Deutschlands zurück. Der Heinrich-Bauer-Verlag Hamburg, der 1990 zunächst fünf ostdeutsche Zeitungen erwerben wollte (darunter “Neuer Tag”), verpflichtete Ulrich Zimmermann als Verlagsberater. So tauchte er auch in Frankfurt (Oder) auf. “Uzi”, wie ihn seine West-Kollegen nannten, sah von Anfang an in Ostbrandenburg vor allem den Lokaljournalismus als wichtigen Pfeiler in der Demokratie, die gesellschaftlichen Veränderungen mit zu gestalten. Journalistische Neugierde auf seine alte Heimat und die  Menschen hier trieb ihn fortan um. Er kam als und blieb ein Berater und verstand sich nicht als Missionar. Später ging er zunächst nach Magdeburg, um dort bei der “Volksstimme” den Bauer-Verlag publizistisch zu beraten. Doch die Liebe führte ihn zurück zunächst nach Frankfurt (Oder) und 1999 dann gemeinsam mit seiner Frau Anett in seine alte Heimat Buckow.

Ulrich Zimmermann war bis zuletzt beseelt davon, dass die gute alte Lokalzeitung vor Ort nicht zu ersetzen ist. Gleichzeitig bezeichnete er es als bequeme Standardausrede über das böse Internet zu jammern und es für jedes einzelne verlorene Zeitungsexemplar verantwortlich zu machen. Kalendergetriebenes Memorieren von irgendwas lehnte er ab. Stattdessen riet er, auf die Straße, den Spielplatz oder in die Kneipe zu gehen und mit den einfachen Leuten über ihre Freuden und Sorgen zu reden. Die MOZ-Lokalteile gehörten für ihn zum besten in der Region.

Ulrich Zimmermanns zweite Seele blieb immer in Bayern. Am Sonntag verstarb er in seiner alten Heimat in Buckow. Hier wollte er nie weg, auch nicht mehr nach Bayern.